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Transparente Überfliegergehälter

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Wenn wir heute Unternehmen bei uns im Startup zu Besuch sind, werden wir nach wie vor überrascht angesehen, wenn ich erzähle, dass wir über transparente Gehaltsstrukturen verfügen.

Für die Besucher, zumeist aus dem, was man wohl „Old Economy“ nennt, finden regelmäßig viele Gründe weshalb es bei ihnen so schwierig wäre, Gehälter offen zu legen.

Überfliegergehälter fallen aus dem Rahmen

Zuletzt habe ich die Begründung gehört, dass subjektiv faire Bezahlung schon allein deshalb nicht funktioniert, weil bestimmte Berufsgruppen in der modernen Wirtschaft Gehaltsvorstellungen haben, die weit entfernt sind von dem, was normalerweise gezahlt wird. Möchte man beispielsweise Progrmmierer ab einem bestimmten Erfahrungslevel einstellen, wird man feststellen, dass sie weit mehr Geld fordern, als Kollegen aus anderen Abteilungen mit ähnlichen Erfahrungen.

In den meisten Firmen, egal ob nun transparent oder nicht, wird es bestimmte Gehaltsstufen geben, an denen man neue Mitarbeiter bemisst und klassifiziert. Für den Typus Programmierer, von dem wir hier reden, funktionieren diese Stufen nur nicht mehr. Der Grund ist, dass der Markt, auf dem er sich bewegt so klein ist, dass er oder sie Summen verlangen kann und auch verlangt, die weit außerhalb jeder Norm liegt.

Hier ergibt sich das Dilemma: Zahlen wir diese Summen, oder nicht?

Prominentestes Beispiel dafür ist sicherlich Google. In seinem großartigen Buch „Work Rules“  beschreibt HR Chef Laszlo Bock, dass man solche Programmierer, die mehr als den 10-fachen Output ihrer Kollegen erzielen, auch 10-Mal höher bezahlen sollte, weil es ihre Leistung rechtfertigt.

Für mich ergeben sich daraus folgende Überlegungen:

Pro:

  • Wenn der Mitarbeiter so viel Mehrwert für die Firma schafft, sollte er auch angemessen an dem Ergebnis beteiligt werden, egal, in welchem Verhältnis er zu seinen Kollegen steht.
  • Ich erlange einen Wettbewerbsvorteil, wenn ich überdurchschnittlich gut bezahle und bessere Leute anwerben kann, als die Konkurrenz.
  • Ich schaffe einen Anreiz in der eigenen Firma den „Stars“ nachzueifern, sodass sich der gesamte Output drastisch erhöht.

Contra: 

  • Für viele Firmen sind solche hohen Gehaltsvorstellungen quasi eine Markteintrittsbarriere, da sie sich die überdurchschnittlich qualifizierten Leute nicht leisten können.
  • Auch wenn Programmierer gerade für Technologie-getriebene Firmen unerlässlich sind, lässt sich ihr Output gerade bei einer Neueinstellung nur schwer einschätzen und quantifizieren. Natürlich kann man hier über Probezeiten testen, aber wenige sind bereit in dieser Zeit auch nur ein „normales“ Gehalt zu bekommen.
  • Egal ob Transparente Gehälter, oder nicht, alle werden früher oder später von dem Unterschied wissen. Dies kann zu einer massiven Beeinträchtigung des Klimas in der Firma führen, bis hin zu einem Kulturbruch.

Wege aus dem Dilemma:

Auch wenn jede Firma hier für sich überlegen muss, wie sie damit umgeht, so fürchte ich doch, dass es wenig Wege gibt, Marktpreise für bestimmte Fähigkeiten zu ignorieren. Möglichkeiten damit umzugehen wären:

  1. Finde die Stars in deinem Team und gib ihnen das beste Training und die besten Mentoren, sodass sie langsam in deinen Strukturen wachsen. Für alle, die einen langen Zeithorizont haben und genug Ressourcen sicherlich die beste Wahl.
  2. Lege deinen Gehälter offen und spreche offen darüber. Sehen wir der Tatsache ins Auge, irgendwann braucht man vielleicht den Ruby on Rails Experten mit 10+ Jahren Erfahrung und man stellt jemand externen ein. Hier heißt es vorher das gesamte Team ins Boot zu holen, die Gründe für die Einstellung und das Gehalt zu klären und sich das Verständnis zu sichern.
  3. Mach dir bewusst, was der Output ist und miss ihn. Wenn jemand mit derartig hohen Gehaltsvorstellungen eingestellt ist, muss er oder sie das Geld von Beginn an wert sein. Ansonsten ist die Position nicht zu halten und der Unmut der Kollegen wird schnell greifbar in Form von Demotivation, Sabotage oder Kündigung.

Egal, wie man sich in der Firma entscheidet, mit dieser Herausforderung umzugehen, es wird nicht reibungslos funktionieren und erfordert ständiges Kommunizieren über diese Entscheidung. Was ich in unseren transparenten System sehe, ist, dass Mitarbeiter mit Transparenz besser leben können, als mit Verschwiegenheit. Die Debatten um Themen wie Überfliegergehälter werden sicherlich stärker geführt, aber eben auch dort, wo sie geleitet werden können und nicht hinter vorgehaltener Hand am Wasserspender. Und das kann schon entscheidend sein.

Ich bin gespannt zu lernen, wie ihr damit umgeht!

Die Idee zu diesem Artikel kam mir während ich durch die Blogparade zum Thema #NewPay von CO:X gestöbert habe, sehr empfehlenswert! [Blogparade #NewPay: Was verdienen wir eigentlich? – co:x](https://www.coplusx.de/2017/09/28/blogparade-newpay-was-verdienen-wir-eigentlich/)

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